GP Academy #3: Verhalten während eines Trackdays!

Um einige Punkte unseres Trackday FAQs etwas näher zu betrachten, möchte ich im dritten Teil unserer GP Academy über das Verhalten auf der Strecke sprechen. Wenn ihr schon einmal an einem unserer Trackdays teilgenommen habt, sind einige der Punkte sicherlich keine bahnbrechenden Neuigkeiten, aber ich empfehle trotzdem den Artikel durchzulesen - am Ende geht es um die Sicherheit auf der Strecke!

Intro

Eure Sicherheit ist unsere absolute Priorität. Dabei beginnt alles im Paddock und geht bis zum Überholmanöver auf der Strecke. 

Ein erfolgreicher Trackday bedeutet, dass ihr euer Fahrzeug und vor allem euch selbst heil nach Hause bringt - mit nichts als guten Erinnerungen im Gepäck!

Zum Einstieg möchte ich mit der Sicherheit "neben" der Strecke anfangen, also im Paddock und in der Boxengasse. Danach kommen wir natürlich zum optimalen Verhalten auf der Strecke.

Neben der Strecke

Das Paddock

Das Paddock dient als Treffpunkt aller Teilnehmer. Hier werden Benzingespräche geführt, an Fahrzeugen geschraubt, Pausen gemacht und Freundschaften geschlossen. Das bedeutet viel Aktivität und Leute die umherlaufen - und das nicht immer mit voller Aufmerksamkeit. Genau deshalb gilt bei allen GP Days Trackdays eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20km/h im gesamten Paddock.

No-Gos im Paddock:

  1. Auto aufwärmen (speziell Reifen) und dabei die max. Geschwindigkeit überschreiten
  2. Zu schnell in die Boxengasse ein- bzw. ausfahren
  3. Eine Show für andere Teilnehmer veranstalten (Burnouts etc.)
  4. Alle anderen ähnlichen Dummheiten

Mit einer gesunden Portion Menschenverstand sind die Punkte oben wahrscheinlich relativ einleuchtend, auch wenn die Emotionen an der Rennstrecke leicht Überhand nehmen können! Leider könnt ihr euch nicht Vorstellen, was wir schon alles im Paddock gesehen haben...

Die Boxengasse

Die Boxengasse ist gleichzeitig eure Zu- und Abfahrt von der Strecke. Außerdem könnt ihr hier einen kurzen Zwischenstop einlegen, um euren Reifendruck zu prüfen und euer Auto zu checken. Genau wie das Paddock, ist die Boxengasse definitiv nicht der richtige Ort um schnell zu fahren.

Während unserer Trackdays heißt es max. 50km/h in der Boxengasse. Vor allem wenn ihr andere Teilnehmer seht, die gerade dabei sind ihr Fahrzeug zu prüfen etc. würde ich euch bitten, im Zweifel noch langsamer zu fahren. Es kann zusätzlich immer sein, dass Personen die Fahrbahn überqueren.

Um das Gefahrenpotential so gering wie möglich zu halten, sollten Fahrer- bzw. Beifahrerwechsel nur im Paddock stattfinden.

Denkt außerdem immer daran - vor allem wenn ihr zu Fuß in der Box unterwegs seid -, dass die Sicht der Fahrer mit Helm deutlich eingeschränkt ist. Geht also immer davon aus, dass ihr nicht gesehen wurdet!

Auf der Strecke

Allgemeines

Es hört sich wahrscheinlich komplett generisch an, ich bin allerdings überzeugt, dass wir fast alle Probleme auf der Strecke vermeiden können, sofern wir rücksichts- und respektvoll miteinander umgehen. Da Trackdays reine Spaßveranstaltungen sind solltet ihr euch folgende Frage stellen: Was habt ihr bei einem Trackday zu gewinnen, wenn ihr ein unnötig hohes Risiko eingeht?

Ein maßgeblicher Sicherheitsfaktor auf der Strecke ist natürlich euer Fahrzeug (speziell mit Blick auf möglichen Flüssigkeitsverlust und Zustand wichtiger Komponenten wie Reifen, Bremsen und Fahrwerk). Hierauf gehen wir in unserer GP Academy #2: Die optimale Vorbereitung für euren Trackday! ein.

Grundsätzlich bieten Überholmanöver das größte "Konfliktpotential", weshalb wir uns diesen Punkt auch im nächsten Schritt detailliert anschauen!

ÜBERHOLEN

Wenn wir alle den gleichen Verhaltensregeln beim Überholen folgen und das obengenannte umsetzen - rücksichts- und respektvolles Verhalten - verringeren wir das Risiko auf der Strecke enorm!

Während eines GP Days Trackday, dürft ihr links und rechts überholen. Nicht, weil wir ohne Regeln drauf losfahren, sondern weil wir festgestellt haben, dass es auf Trackdays mit strikten Überholvorgaben (z.B. nur links) oft zu unnötig brenzligen Situationen kommt. Sofern nur auf einer Seite überholt werden darf, gestaltet sich Positionierung für folgende Kurven teilweise extrem schwierig und führt zu mehr Risiko als unbedingt nötig.

Nutzt also die Möglichkeiten auf der gesamten Strecke überholen zu dürfen und gebt jedem Teilnehmer auf der Strecke genug Platz, um ein sicheres Vorbeifahren zu ermöglichen.

Ich kann natürlich verstehen, dass es extrem frustrierend sein kann hinter einem unaufmerksamen Fahrer, oder einer Gruppe von Fahrzeugen hängen zu bleiben. Nutzt also unser Open Pitlane Format, dass euch maximale Flexibilität bietet und keinen Zeitdruck wie bei Trackdays in Gruppen entstehen lässt.

Mein Tipp:

All unsere Trackdays bieten deutlich mehr Fahrzeit als ihr in der Praxis nutzen könnt (6.30h - 8h pro Tag). Solltet ihr Schwierigkeiten beim Überholen haben, könnt ihr langsam durch die Boxengasse fahren um Abstand zwischen euch und den anderen Teilnehmern zu generieren. Das ist deulich besser, als ein Überholmanöver mit der Brechstange zu erwingen - so etwas hat auf einem Trackday keinen Platz!

Allerdings soll eine solche Situationen  gar nicht erst entstehen. Grundsätzlich hat das schnellere Fahrzeug die Verantwortung für das Überholmanöver. Langsamere Fahrer sollen sich wiederum "kooperativ" verhalten. Übrigens, auch wenn ihr glaubt der schnellste zu sein: Schaut regelmäßig in die Spiegel. So könnt ihr frühzeitig erkennen, wenn sich ein schnelleres Fahrzeug nähert und das Überholmanöver vorbereiten, z.B. in dem ihr mit eurem Blinker anzeigt, auf welcher Seite überholt werden kann:

  • Blinker links: Ich halte mich links, es kann rechts überholt werden
  • Blinker rechts: Ich halte mich rechts, es kann links überholt werden

So zeigt ihr nicht nur an wo überholt werden soll, sondern vor allem auch, dass ihr das andere Fahrzeug gesehen habt. Euer Verhalten wird vorhersehbarer wodurch auf der Strecke deutlich weniger Missverständnisse entstehen!

Pannen, Dreher und anderes

Auf der Strecke anhalten ist extrem gefährlich. Dennoch gibt es viele mögliche Gründe, die euch keine andere Alternative bieten: Technische Defekte, aber auch nach einem Dreher könnt ihr euch beim Verlassen der Strecke festfahren, etc..

Solltet ihr auf der Strecke zum stehen kommen, versucht möglichst nie am Kurvenausgang auf der Außenseite anhalten. Hier ist das Risiko am größten, dass ein nachfolgendes Auto ebenfalls die Strecke verlässt. Im besten Szenario findet ihr eine Öffnung in den Leitplanken (meist sind diese orange markiert), die ihr als Schutzzone nutzen könnt. 

Solltet ihr auf der Strecke zum stehen kommen, steigt auf keinen Fall sofort aus (außer ihr bemerkt Rauchentwicklung, oder ähnliches). So gebt ihr den Streckenposten Zeit, nachfolgende Fahrzeuge mit der gelben Flagge zu warnen und die Geschwindigkeit in euerem Streckenabschnutt deutlich zu reduzieren. Begebt euch nach dem aussteigen direkt hinter die Leitplanke. Bitte fangt nicht an, auf der Strecke nach dem Fehler zu suchen, oder euer Auto zu checken!


Genau so etwas sollte nicht passieren! Das Auto ist in der Auslaufzone der Schikane zum Stehen gekommen. Also genau dort, wo Fahrer die zu schnell in die Kurve fahren, die Strecke verlassen. Zusätzlich steht das Auto hinter einer Kuppe und kann nicht gesehen werden.
Am problematischsten ist jedoch, dass der Fahrer vor seinem Fahrzeug kniet - das ist extrem gefährlich. Begebt euch in solchen Siutationen sofort aus der Gefahrenzone!

Besonderer Fall: Flüssigkeitsverlust

Solltet ihr Flüssigkeit verlieren, probiert die Ideallinie sofort zu verlassen. Im besten Fall findet ihr einen asphaltierten Bereich neben der Strecke um euer Fahrzeug abzustellen. Speziell bei Ölverlust sollte eine Verschmutzung der Erde unter dem Fahrzeug vermieden werden.

Zusätzlich solltet ihr den Streckenposten, oder unsrem Team direkt Bescheid geben, dass die Strecke so schnell wie möglich für die Reinigung gesperrt werden kann. So kann vwerden, dass weitere Fahrzeuge auf der Ölspur ausrutschen.

Verlassen der Strecke

Es kann immer mal wieder passieren, dass ihr von der Strecke abkommt. Ohne Kaltverformung ist es auch nicht besonders tragisch. Ich würde jedoch empfehlen, dass ihr danach in die Box bzw. Paddock fahrt, speziell wenn ihr in einem Kiesbett gelandet seit. Dann habt ihr die Möglichkeit euer Auto in Ruhe zu checken und eine kleine Pause einzulegen. Versucht nach einem Ausrutscher möglichst nicht Dreck und Steine auf der Ideallinie zu verteilen. 

Sollten wir merken, dass ihr häufiger von der Strecke abkommen, werden wir bzw. die Marshalls ein Gespräch mit euch suchen.

Sofern es zum Kontakt mit der Leitplanke, Reifenstapel etc. kommt, oder andere Teile der Strecke beschädigt werden z.B. die im Boden fixierten Plastikbegrenzer (Bilster Berg), meldet Euch bitte umgehend bei uns.

Zusammenfassung

Wir möchten, dass alle unsere Teilnehmer am Ende mit nichts als guten Erinnerungen nach Hause fahren. Ihr könnt euch sicher sein, dass wir konstant ein Auge auf die Strecke haben und aktiv auf Teilnehmer zugehen, sollten wir feststellen, dass es auf oder neben der Strecke nicht richtig zugeht. 

Ich spreche außerdem immer wieder gerne mit Teilnehmern die gerade von der Strecke kommen, um direkt von euch zu hören, wie es läuft. Zögert bitte nicht uns mitzuteilen, wenn ihr Bedenken bzgl. des Fahrhaltens eines anderen Teilnehmers habt. Obwohl wir immer empfehlen, dass Gespräch mit anderen Teilnehmern bei Problemen direkt zu suchen, übernehmen wir die Aufgabe natürlich gerne, wenn ihr euch unwohl dabei fühlt!

Bitte meldet euch wie immer jederzeit, solltet ihr noch weitere Fragen haben!

  • Falk