Ein Tag auf dem Circuit de Charade

Ich kann nicht sagen warum, aber die Strecke in Charade ist seit Jahren auf meiner " Bucket-List". Liebe auf den ersten Blick sozusagen!

Mitten in den Gebirgszügen der Auvergne, mit einem 1.465 Meter hohen Vulkan (dem Puy de Dome) direkt im Hintergrund, wird man in die gute alte Zeit des Motorsports zurückkatapultiert. Die Betonwände sind oft direkt neben der Strecke und die Auslaufzonen, sofern sie denn existieren, sind entweder ein wenig Gras, oder ein klassisches Kiesbett. Asphaltierte Auslaufzonen, wie man sie von vielen modernen Rennstrecken kennt, gab es fürher nicht und auch heute gehören sie nicht zum Charakter der Strecke.

Aber lasst uns doch zuerst einen kurzen Exkurs in die Historie dieser außergewöhnlichen Strecke unternehmen!

Mit etwas mehr als 8km Länge (teilw. auf öffentlichen Straßen), enormen Höhenunterschieden, blinden Kurven und nichts verzeihenden Auslaufzonen, ist der "Circuit de Charade" das französische Equivalent zur Grünen Hölle. Es gab sogar Fahrer wie Jochen Rindt, die sich während Rennveranstaltungen über "Motion Sickness", also einer Form der Seekrankheit beschwert haben - ich denke, dass erklärt den Charakter der Strecke nur zu gut!
Nachdem die Strecke 1959, 1967, 1972 und 1974 Austragungsort des französischen Formel 1 Grand Prix' war, ist ihr das gefährliche Layout schlussendlich zum Verhängnis geworden und alle großen internationalen Veranstaltungen wanderten nach und nach auf andere Rennstrecken ab - z.B. Le Castellet oder Dijon Prenois. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten war es unmöglich, die Strecke entsprechend der kontinuierlich steigenden Sicherheitsbestimmung anzupassen.
Glücklicherweise hat die lokale Regierung die Wichtigkeit der Strecke erkannt. Nach umfassenden Modernisierungsarbeiten wurde die Strecke 1989 im heutigen, deutlich kürzeren Layout (ca. 4km) neu eröffnet und wird seitdem für nationale Meisterschaften, Oldtimerevents und Trackdays genutzt. Im Jahr 2000 wurden weitere Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt und die letzten aus öffentlichen Straßen bestehenden Teilstücke "geschlossen". So enstand die heute permanente Rennstrecke.

Wir haben zentrumsnah in Clermant-Ferrand übernachtet. Da die Boxengasse auf über 800m liegt, war die Fahrt inkl. Anhänger schon ein kleines Abenteuer. Die kleinen verlassenen, am frühen morgen leicht nebleligen Bergstraßen haben die ohnehin mystische Atmosphäre noch verstärkt. Die Fahrt mit unserem MINI hinten auf dem Anhänger war ein Abenteuer für sich.

Direkt nach der Einfahrt zum Paddock, begibt man sich auf eine Zeitreise. Die altmodischen Schilder, die leicht verwitterten (aber nicht heruntergekommenen!) Anlagen könnten auch von einem Filmset stammen. Neumodisch würde man wahrscheinlich "Shabby-Chic" sagen.

Da es ein sehr privater Trackday mit nur ca. 10 Fahrzeugen war, hatten alle Teilnehmer die Chance vorab eine Runde mit einem "Local" zu drehen, um die anspruchsvolle Strecke ein erstes Mal kennenzulernen. Normalerweise bin ich der Meinung, dass man jede Strecke auch erstmal selber kennenlernen kann, indem man einfach langsam fährt. 

Auf dieser sehr speziellen Strecke hat es allerdings wirklich Sinn gemacht, von einem Experten auf die tückischen Passagen hingewiesen zu werden. Nachdem wir unsere Runden auf dem Beifahrersitz abgeschlossen hatten, durften wir endlich selbst hinters Steuer. Mental war ich auf eine sehr steile Lernkurve vorbereitet und dachte erst, dass es einige Zeit dauern wird die Strecke wirklich zu verinnerlichen. 

Am Ende ging es allerdings extrem schnell. Aufgrund der Topographie war es recht einfach erste Referenzpunkte auf der Strecke zu definieren. So konnte ich schon nach recht kurzer Zeit zügige Runden fahren. Von da an hieß es speziell die Bremspunkte zu optimieren und hier und da wirklich an der Linie zu feilen. Es war auch mein erster Trackday mit unserem neuen Racelogic Predictive Laptimer - also einer Live-Vorhersage, wie die Rundenzeit sich entwickelt. Ein extrem wertvolles Tool wenn es darum geht, verschiedene Linien auszuprobieren, denn man sieht direkt den Effekt auf die Rundenzeit.

Leider ist dies eine der wenigen Runden, die nicht komplett überbelichtet ist. Die GoPro Einstellungen habe ich leider komplett verbockt. Hier seht ihr eine 2:17.1. Am Ende des Trackdays lag die Bestzeit in den hohen 2:15ern.

Anfangs lagen die Zeiten bei ca. 2:22 Min., konnten aber kontinuierlich verbessert werden, sodass es am Ende eine 2:15.8 wurde. Auf dem Circuit de Charade ging es vor allem darum vertrauen zu finden und den wirklich griffigen Belag (vor allem auf der Bremse) auszunutzen. Der griffige Belag führte allerdings auch dazu, dass der eigentlich neue Satz Nankang AR-1 so gut wie runter gefahren ist! Auch die Bremsen haben durch die Berg- und Talfahrt ziemlich gelitten. 

Wir ihr im Video oben sehen könnt, gibt es auf der Strecke einige harte Bremszonen. Vor allem das Gefälle im Bereich der Haarnadelkurve am Ende der Strecke ist extrem Steil (leider kommt es wie immer auf dem Video nicht ganz so rüber) und in Verbindung mit der hohen Anfahrtsgeschwindigkeit eine extrem schwierige Stelle. Hier hatte ich auch den (auf Holz klopf) einzigen kleineren Ausrutscher des Tages. 

Insgesamt war es einer der, wenn nicht sogar der schönste Trackday den ich bisher als Fahrer erlebt habe. Nachdem ich mit unserem MINI immer wieder Probleme hatte, lief er dieses mal einfach perfekt, obwohl ich zwischen 300 - 350km wirklich hart mit dem Fahrzeug auf der Strecke umgegangen bin.

Nach diesem grandiosen Tag möchte ich so schnell wie möglich zurück auf diese Strecke. Eins ist aber auch sicher, wir als GP Days wollen hier in der Zukunft auch einen Trackday organisieren. Am besten in Kombination mit einem Tag in Dijon! Aufgrund der strikten Lärmbegrenzungen und Vorschriften in Charade wird es mit Sichereit ein Trackday mit nicht ganz so vielen Teilnehmern wie sonst. 

Wir werden euch auf dem Laufenden halten!

HIER findet ihr mehr Fotos!


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